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Mut kommt dann, wenn du einfach losgehst

  • ctschickart
  • vor 6 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

"Also, ... ich könnte das ja nicht"


Dieser Satz begleitet mich, seit ich begonnen habe, von meinen Reiseplänen zu erzählen: sechs Monate im Camper durch Europa. (Und das auch noch alleine, als Frau ;)).


Die Reaktionen waren fast immer gleich: herzliche Worte, Bewunderung, Staunen, Freude und natürlich auch ein bisschen „Pass aber bitte gut auf dich auf“. Und dann kam er, dieser eine Satz: „Also ich könnte das ja nicht.“


Irgendwann habe ich reflexartig geantwortet: "Doch, natürlich könntest du das auch.".

Weil ich ermutigen wollte und fest daran glaube, dass du das auch kannst. Und auch, weil ich gespürt habe, dass in diesem Satz mehr steckt als bloßer Zweifel.


Ich habe ihn nie als Kritik gehört. Eher wie eine Mischung aus Sehnsucht und Unsicherheit. Ein vorsichtiges: Ich würde vielleicht auch gern, ABER … Und genau dieses „ABER“ fand ich irgendwann unglaublich spannend. Und gleichzeitig auch ein bisschen traurig.

Denn: Sollten wir nicht alle versuchen, unser Leben wirklich zu leben? Die Dinge umsetzen, die wir uns von Herzen wünschen anstatt uns mit einem „Ich könnte das ja nicht“ auszubremsen?


Natürlich hat er auch seine Berechtigung.

Wir alle leben in ganz unterschiedlichen Realitäten. Manche haben Kinder, tragen Verantwortung für andere, zahlen Kredite ab, stecken in Strukturen, die nicht einfach so aufgelöst werden können.


Das Leben ist nie einfach ein leeres Blatt Papier, das wir jederzeit neu beschreiben können, zumindest nicht komplett. Es ist gewachsen, geprägt, gefüllt mit Entscheidungen, Verpflichtungen, Geschichten. Und wenn dann eine Idee auftaucht, die größer wirkt als das eigene Leben, dann ist dieser Gedanke nur logisch: Ich könnte das ja nicht.

Und ja ein Stück weit stimmt das vielleicht sogar. Aber er ist eben nur die halbe Wahrheit.


Ich schweife mal ein bisschen in meine eigene Geschichte dahinter ab


Hätte mir vor ein oder zwei Jahren jemand erzählt, dass mein Leben heute so aussieht, ich hätte wahrscheinlich einfach nur gelacht und mir gedacht: "Ja genau".


Der Wunsch zu reisen war schon ganz lange da. Aber wie das so ist, habe ich ihn irgendwo zwischen Alltag und Verpflichtungen geparkt.

Irgendwann mal, habe ich mir gesagt.

Doch große Wünsche sind echt hartnäckig. Sie werden irgendwie auch nicht leiser. Im Gegenteil: Sie melden sich immer und immer wieder. Klopfen an. Erinnern dich daran, dass sie noch da sind.


Also blieb mir irgendwann nichts anderes mehr übrig, als wirklich hinzuhören.Ich begann, mein Leben Stück für Stück zu hinterfragen und nach neuen Wegen zu suchen. Mein Wandel im Innen hat also schon begonnen.


Und dann haben auch Ereignisse im Außen dazu geführt, dass ich einen neuen Blickwinkel aufs Leben bekommen sollte. Als meine beiden Omas kurz hintereinander gestorben sind, hat sich etwas in mir verschoben. Auf einmal habe ich es so klar gespürt: Das Leben ist endlich. Und unberechenbar. Es könnte jederzeit vorbei sein oder sich radikal verändern, ohne dass ich einen Einfluss darauf habe. Also ist es doch eigentlich so blöd von mir, immer wieder auf ein „irgendwann mache ich das mal“ zu setzen.


In mir wurde eine Frage immer präsenter: Worauf wartest du eigentlich?

Und plötzlich wollte ich nicht mehr nur funktionieren. Ich wollte leben. Und zwar so richtig. Komplett nach meinen Vorstellungen. Bewusst. Echt. Authentisch.

Und dann traf ich Entscheidungen. Nicht immer leichte, aber notwendige.

Um mit der Trauer und dem Schmerz meiner verstorbenen Omas umzugehen, lief ich den portugiesischen Jakobsweg. Und wie so oft im Leben begegnen dir immer genau die Menschen, die du brauchst. Und ich habe wundervolle Menschen getroffen, die bereits das lebten, wovon ich noch träumte. Monatelang reisen. Frei sein. Mich dadurch weiterentwickeln. Meinen Horizont erweitern und mal komplett raus aus der Komfortzone sein.


Eines meiner Lieblingsprinzipien wurde plötzlich ganz praktisch:

Wenn du nicht weißt, wie etwas geht, dann sprich mit Menschen, die es bereits tun.


Also habe ich viele Fragen gestellt und auch viele Antworten bekommen. Ich habe zugehört und gelernt. Und mit jedem Gespräch wurde mir klarer: Das Meiste ist gar nicht so kompliziert, wie es in meinem Kopf gewirkt hatte. Das Leben ist oft gar nicht so deep.

Und viele meiner Blockaden waren… naja, hausgemacht.


Mit der Zeit blieb im Grunde nur noch eine Frage: Traue ich mich, es wirklich umzusetzen?


Spoiler: Den perfekten Moment gibt es nicht


Es gibt da diese leise Vorstellung, an der wir uns erstaunlich hartnäckig festhalten: dass irgendwann dieser eine Moment kommt, in dem sich alles richtig anfühlt. In dem wir bereit sind, sicher, klar, innerlich sortiert. Ein Moment, der uns wie von selbst losgehen lässt.

Und bis dahin warten wir erstmal ab.

Wir warten darauf, dass wir uns sicherer fühlen, dass wir genau wissen, wie alles funktioniert, dass sich die äußeren Umstände so fügen, dass es endlich „passt“. Wir erzählen uns Geschichten von einem späteren Zeitpunkt, an dem wir mutiger sein werden, entschlossener, vielleicht sogar ein bisschen mehr die Version von uns selbst, die wir gerne wären.


„WENN…, DANN…“


Und während wir so warten, bleibt das Leben erstaunlich lebendig. Es geht weiter, bewegt sich, verändert sich. Nur wir stehen noch an derselben Stelle und schauen in Richtung Zukunft, als würde sie uns irgendwann abholen.

Was dabei so leicht übersehen wird: Dieses Gefühl von Sicherheit, nach dem wir suchen, entsteht sehr selten im Voraus. Es entwickelt sich unterwegs. Und zwar in genau dem Moment, in dem wir beginnen.


Wenn wir losgehen, passiert etwas ganz Eigenartiges.

Wir gewinnen Erfahrungen, die wir vorher nicht haben konnten.

Wir treffen Entscheidungen, die uns Klarheit schenken.

Wir merken, dass wir mit Situationen umgehen können, die wir uns vorher viel größer vorgestellt haben.

Und ganz langsam wächst dieses leise Gefühl von: Ich komme schon zurecht.


Sicherheit wächst durch Erfahrung.

Klarheit entsteht durch Entscheidungen.

Und dieses Vertrauen in uns selbst entwickelt sich mitten im Leben.


Man wächst nicht in einen perfekten Zustand hinein, um dann endlich loszugehen. Man wächst in das eigene Leben hinein, indem man es lebt.


Und dabei geht es gar nicht um die große alles verändernde Reise. Ich habe sie hier als Metapher genutzt. Und um meine persönlichen Erfahrungen zu teilen.

Im Kern lässt sich das auf alles Mögliche übertragen.

Es geht um die vielen kleinen und großen Dinge, die sich immer wieder in dein Bewusstsein schieben. Ein Gedanke, der dich nicht loslässt. Ein Projekt, das dich reizt. Ein Traum, der sich immer wieder bemerkbar macht.


Du kennst ihn ganz sicher, diesen Moment, in dem dann auch ganz schnell wieder dieser Satz auftaucht: „Also ich könnte das ja nicht.“

Und doch sind da oft auch noch Neugier, so ein diffuses Gefühl, Interesse, das sich nicht ganz wegschieben lässt, egal wie logisch deine inneren Argumente klingen.

Dein Kopf ist oft schnell darin, Grenzen zu setzen, dich zurück in bekannte Strukturen zu führen, dir zu erklären, warum etwas gerade nicht realistisch ist. Und vielleicht hat er in vielen Punkten sogar recht.


Aber er erzählt eben nur einen Teil der Geschichte.

Und es lohnt sich, für einen Moment auch mal andere Fragen zu stellen.

Nicht, ob du es könntest.


Sondern: Was möchtest du von Herzen wirklich erleben?


Und dann beginnt ein ganz anderer Prozess. Einer, der weniger mit einem großen Sprung zu tun hat und viel mehr mit kleinen, ehrlichen Schritten.

Schritte, die zu deinem Leben passen, zu deinen Möglichkeiten, zu deinem aktuellen Rahmen. Denn dein Leben, so wie es jetzt ist, ist kein Hindernis. Es ist der Raum, in dem du dich bewegst. Und innerhalb dieses Raumes gibt es viel mehr Spielraum, als wir oft glauben.

Nicht jede Sehnsucht verlangt nach einer radikalen Veränderung. Nicht jeder Traum braucht direkt den größtmöglichen Ausdruck.


Oft reicht es ja schon, ihm überhaupt Raum zu geben.

Und wie das aussieht ist ganz individuell.

Vielleicht bedeutet das, dir bewusst Zeit für dich zu nehmen.

Vielleicht bedeutet es, etwas Neues auszuprobieren.

Vielleicht beginnt alles damit, dir zu erlauben, anders zu denken, größer zu träumen und Möglichkeiten zu sehen, für die vorher kein Platz war.

Oder einfach mal den nächsten Schritt zu gehen, anstatt ihn noch hundert Jahre in deinem Kopf durchzuspielen und zu planen.


Dabei wird oft unterschätzt, wie viel sich durch eine einzige Entscheidung verändern kann. Einfach durch diesen einen Moment, in dem du beschließt, anzufangen.

Und dieses Anfangen darf unperfekt sein. Es darf sich unsicher anfühlen, unvollständig, vielleicht sogar ein bisschen chaotisch. Du musst nicht jedes Szenario durchdenken, nicht jede Eventualität im Voraus lösen. Die meisten Dinge, vor denen wir uns gedanklich schützen wollen, treten in dieser Form ohnehin nie ein.

Es ist viel entspannter, wenn du dich von Moment zu Moment bewegst.

Wenn du schaust, was dir tatsächlich begegnet und erst dann darauf reagierst.

Es braucht viel weniger Kontrolle, als wir denken. Und ein bisschen mehr Mut. Und ein bisschen mehr Vertrauen und Optimismus.



Ich erinnere mich noch gut an den Moment, in dem es für mich ernst wurde.

Mit all den Gedanken, all den Gesprächen, all den inneren Prozessen blieb am Ende nur noch diese eine Frage: Setze ich es wirklich um? Mein Gefühl hat mir ganz klar gesagt: JA! Mein Kopf war sich immer mal wieder unsicher.


Und weil ich wusste, wie flüchtig Mut sein kann, habe ich ihn genutzt, als er da war. Ich habe meine absolute Traumwohnung gekündigt und am gleichen Tag auch meinen Job, den ich 13 Jahre lang gemacht hatte.


Und das war noch der einfachste Teil. Die eigentliche Herausforderung begann erst danach. Als alles konkreter wurde. Als Abschiede näher rückten. Als aus einer Idee ein echtes Leben wurde, das schon auf mich wartete.


Es gab Tage voller Vorfreude, die sich super leicht angefühlt haben. Und es gab Momente, in denen Zweifel und Unsicherheit genauso präsent waren. Es gab Tage in denen ich alle Gefühle hintereinander und gleichzeitig gefühlt habe. Immer hin- und hergerissen zwischen „Warum habe ich mich nur entschieden das wirklich durchzuziehen?“ und „Ich kann es kaum erwarten dieses Abenteuer zu leben“.


Veränderung bringt Bewegung in alles. Auch in das, was wir lieber festhalten würden. Und ein Traum hat auch immer herausfordernde Seiten.


Was mir in dieser Zeit geholfen hat, war ein einfacher Gedanke: Wege lassen sich jederzeit neu wählen und für jede Herausforderung findet sich auch immer eine Lösung. Manche Dinge wirken nur so lange endgültig, bis man erkennt, wie viel Spielraum tatsächlich da ist.

Und irgendwann bin ich einfach losgefahren.


Ohne riesige Solo Travelling Erfahrung, ohne detaillierten Plan und ohne zu wissen wie es sich anfühlen wird. Ich war vorher auch gar kein Solo Travel Vanlife Girl. Ich bin es auf dem Weg dorthin geworden und bin in meinen Traum hineingewachsen. Und ich war auch nicht mal besonders mutig, bis ich mich dann einfach doch mal getraut habe.


Weil wir nicht vor der Entscheidung wachsen. Wir wachsen in sie hinein.


Und vielleicht ist genau das die leise Wahrheit, die sich durch all das zieht:

Dieser Satz „Ich könnte das ja nicht“  darf da sein. Er ist kein Fehler in deinem Denken, den du sofort loswerden musst. Er zeigt dir einfach etwas sehr Ehrliches. Nämlich den Punkt, an dem dein bisheriges Leben auf etwas trifft, das sich noch ungewohnt anfühlt. Eine Grenze, die sich im Moment real anfühlt, weil du sie noch nie überschritten hast.

Wenn man genauer hinschaut, liegt darin sogar etwas Wertvolles. Dieser Satz macht sichtbar, wo dein aktueller Rahmen endet und gleichzeitig auch, wo vielleicht etwas Neues beginnen könnte.


Und vielleicht geht es gar nicht darum, ihn sofort zu verändern oder zu überwinden. Es reicht schon, ihn ein kleines Stück weiterzudenken. Ihm Raum zu geben, sich zu entwickeln.

Denn oft verändert er sich ganz von allein, wenn wir beginnen, ehrlicher hinzuschauen.

Aus einem klaren „Ich könnte das ja nicht“ wird mit der Zeit vielleicht ein vorsichtigeres: „Ich kann herausfinden, wie es für mich möglich ist.“


Und irgendwann entsteht daraus eine neue Frage: „Wie könnte es für mich passen?“

Diese Frage fühlt sich doch schon ganz anders an. Sie verlangt keine radikale Veränderung, keine sofortige Entscheidung, kein komplettes Umkrempeln deines Lebens. Sie lädt dich vielmehr ein, neugierig zu werden. Deinen eigenen Weg zu suchen und dein eigenes Leben bewusster zu gestalten.


Denn du musst nicht das Leben führen, das du bei Anderen siehst. Du darfst herausfinden, wie sich dein eigenes Lieblingsleben anfühlt. In deinem Tempo, mit deinen Möglichkeiten, in deinem ganz persönlichen Rhythmus.


Und du musst auch kein Mensch sein, der „so etwas einfach macht“. Niemand ist das von Anfang an. Man wird zu diesem Menschen.

Schritt für Schritt.

Entscheidung für Entscheidung.

Erfahrung für Erfahrung.

Es ist kein fester Charakterzug, den manche haben und andere eben nicht. Es ist etwas, das entsteht, während du dich bewegst.

Während du dich traust, ein kleines Stück weiterzugehen, als du es bisher getan hast.

Während du beginnst, dir selbst ein bisschen mehr zu vertrauen. Und dir auch ein bisschen mehr zuzutrauen.


Und so beginnt es am Ende ganz einfach: Mit diesem einen Moment, in dem du den ersten Schritt machst.


Nicht irgendwann. Sondern genau jetzt.

Also, nur Mut. Denn deine Träume sind ja nicht ohne Grund da.


In Liebe und mit Herz,

Charlie

 
 
 

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